Die Zunge im Ohr

Ein unanständiger Abend

"Ich will kein Geld von ihnen, ich will keinen Ehering, ich will... das Eine, wofür sie beschimpft werden, das Eine, was sie immer nur wollen - das will ich und sonst nichts." (Peggy Pamass)

Soweit man zurückdenken kann, ist die Frau das Objekt der Begierde der männlichen Phantasien. Dem Mann zu dienen und Lust zu bereiten, war die ihr Jahrhunderte lang `zugeschriebene' Rolle. Jahrhundertelang blieb so die erotische Literatur eine Domäne des Mannes. Seit wann erlauben sich Frauen über ihre Sexualität zu schreiben, wie und was ihnen ihre Lust diktiert? Seit wann nehmen Frauen Erotisches "in den Mund" und nennen die Dinge unverblümt beim Namen?

Literarische Nachschlagewerke helfen wenig weiter; die Frau kommt nur im Stichwort-, nicht im Autorenverzeichnis vor. Und dennoch gibt es in den letzten Jahrzehnten immer mehr Frauen die sich nicht davor scheuen, ihre unanständigen Gedanken und erotischen Phantasien zu Papier zu bringen. Ihre literarischen Verführungskünste längst unter Beweis gestellt haben Marguerite Duras, Almudena Grandes, Laure Bataille, Elfriede Jelinek. Ihre Texte sind nur einige Beispiele, die für diese Performance ausgewählt wurden, bei der die weiblichen und die männlichen Zuschauer getrennt werden und sich gegenüber sitzen.

Stationen der Lust, der Liebe und des Lasters am Beispiel der erotischen Literatur von Frauen - Worte der Begierde, die geschrieben werden, o'h'rale Höhepunkte, die gesprochen und gehört sein wollen.




Pressestimmen


Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. Oktober 1996:

"Kein Weichzeichner verwandelt Sexualität in zartes Flüstern. Sprache wird so weit entblößt, daß ihre Hüllen von allem abfallen, was einmal als Tabu gegolten hat. Dennoch entbehrte Elettra de Salvos szenische Lesung, die Thilo Krigar mit dem Violoncello in einen musikalischen Rahmen spannte, jeder Vulgarität. Keine Silbe drohte auf klebrig-schlüpfrigem Untergrund zu entgleisen, und dort, wo ein Text wie mit dem Skalpell in Untiefen des Geschlechtlichen vorzudringen schien, verlieh ihm die Schauspielerin ironisierende Leichtigkeit."

Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. Juni 1997:

"Bald flüsternd, bald schreiend, kieksend und lachend verschränkte sie die Texte ineinander: Eine Anleitung zur analen Erotik mit dem schmerzhaften Akt selbst, Nekrophilie mit Sperma-Schmaus... Manch ein Zuhörer krempelte sich während der Lesung die Ärmel fest bis zu den Schultern hoch, denn es dampfte wie in einem türkischen Bad, so viele waren gekommen. Beinahe anderthalb Stunden durften wir schwitzen - und genießen... De Salvos Begleiter Thilo Krigar faszinierte vor allem mit Kunstgriffen, wenn er etwa die Bespannung des Bogens wie Frauenhaar über die Saiten gleiten ließ, bis sie beseligt aufwimmerten."

Berliner Zeitung, 13. November 1997:

"Entgegen ihrem Foto ist sie kein bißchen hingebungsvoll, sondern schön-strenge Dame. Im schmalen schwarzen Kleid setzt sie mit großer Präzision die Füße voreinander, fixiert durchdringend ihr Publikum, links die Frauen, rechts die Männer... Sie liest mit wunderbar kraftvoller Stimme, in der etwas Dunkles mitschwingt."

Frankfurter Rundschau, 26. Juli 1997:

"Es sollte ein "unanständiger Abend" werden, und es wurde einer. Elettra de Salvos variantenreicher Spielkunst und der musikalischen Begleitung von Thilo Krigar ist es zu verdanken, dass sowohl profane Passagen wie die am Rande des Beklemmenden angesiedelte Texte gleichermaßen begeistern und das Spiel niemals obszön und belanglos zu werden droht. So pendeln die mit viel Sensibilität und erstaunlicher Sicherheit vorgetragenen Texte von blasphemischen Orgien bei Bataille bis zu nekrophilen Geständnissen."

Offenbacher Post, 21. Oktober 1996:

"Die intelligent gefügte Textfolge korrespondiert spannungsreich mit dem sinnlichen Cellospiel Thilo Krigars... Der Abend ist ein Wechselbad - wie die Lust selbst."

Strandgut, Juni 1996:

"Schon beim ersten Strich auf dem Cello (Komposition und Interpretation: Thilo Krigar) und der ersten von Elettra de Salvo gelesene Silbe sind alle Gefahren gebannt, einschließlich die des Unanständigen; die Künstler werden je in ihrem Metier viele Tonarten und Tonfolgen finden, witzige, beklemmende, ironische, ernste und sarkastische, und alle sind sie dem Thema angemessen... Wie verhält es sich mit der weiblichen Lust? - Das ist die Frage, die in der Aufführung zur Selbstbeantwortung an die Zuhörer und Zuhörerinnen weitergereicht wird."