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...Manche sind kleiner als andere, manche sind dunkler als andere, manche
sind schroffer als andere, manche sind süßer als andere, manche sind
sonderbarer als andere, manche sind älter als andere, manche haben mehr
Haar an sich
als andere, manche sind sanfter als andere, manche haben längere
Nägel als
andere, manche blicken länger auf manche als andere, manche tragen mehr
Dinge an
sich als andere, manche tragen mehr Farben als andere, manche sind stärker
als andere, manche sind geräuschvoller als andere, manche sind
respektvoller
als andere, manche sind kühner als andere, manche sind stiller als andere,
manche sind nicht lieblicher als andere....
Die amerikanische Schriftstellerin Gertrude Stein hatte eine
außerordentliche Vorliebe für scheinbare Banalitäten und
Trivialitäten des Alltagslebens und
für die ironische Demontage grammatikalisch und idiomatisch geprägter
Sinnstrukturen. In all ihren Werken eröffnet Stein den Worten, jenseits von
kodierten Bedeutungen, ein eigenes Dasein. In Italians (1910) versucht Stein die
Italiener literarisch zu porträtieren. Dabei spielt sie mit
Allgemeinplätzen und
führt sie ad absurdum, indem sie die Klischees zu witzigem Wort- und
Tonmaterial auseinandernimmt, fragmentiert und verfremdet.
Es entsteht ein Sprach- und Klangteppich der wie a landscape (Gertrude
Stein) zu betrachten ist. In dieser akustisch-rhythmischen Landschaft sind die
Musikkompositionen von Marcel Daemgen nicht nur ein gleichwertiger Bestandteil
dieser Performance, sondern sie prägen sie strukturell.
Räumlich sind die Klänge dimensioniert. Und - auch wenn ein Zwitschern
dazwischen ist - ist illustrativ.
Auf originär szenische Zutaten hat das Duo völlig verzichtet. Als
Manko
erweist sich das nicht. Im Gegenteil.
Ganz nüchtern liest Elettra de Salvo diese Nonsens. Der nahe liegenden
Versuchung einer pointisierenden überzeichnung erliegt sie nicht. Ihre
Ernsthaftigkeit erfährt keine Ironisierung. Die aus Reduktion und
Zurücknahme heraus
erzielte Wirkung ist groß. Der Humor erwächst einzig aus der
Textgestalt. Die
Sprache ist rhythmisch bei Gertrude Stein, nicht zuletzt auf Grund des
repetitiven Charakters. Von Zeit zu Zeit meldet sich Elettra de Salvos
stimmlicher
Alter Ego aus dem per Zufallsfunktion gesteuerten CD-Player mit
fragmetarisierten Text-Bröckchen. Wie ein Nachhall, der aus einer
völlig anderen Sphäre
hinüberschallt, wirkt die in der Breite der Frequenzen beschnittene Stimme.
(Frankfurter Rundschau)
De Salvo behandelt den Text als Partitur, indem sie seiner seriellen
Struktur musikalische Form gibt. Das Theatrale bleibt dagegen mehr als
bescheiden.
Elettra de Salvo liest passenderweise vom Notenblatt, unter elektronischem
Fiepen und Knarzen, das das Organische mit dem Maschinellen Hochzeit feiern
lässt. (Frankfurter Neue Presse)
Am Ende dieses sprachlich-musikalischen Experiments bleibt die
Unkenntlichkeit eines Nationalcharakters, eine endgültige
Nicht-Charakterisierung eines
Volkes.
Wer und wie und was sind nun die Italiener?
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